Peter Bretzger ist im Februar 2007 an Bord der Patmos gegangen. „Ein einzigartiges Erlebnis“, sagt er über seine Reise auf dem Containerschiff der SEEHANDLUNG. Hier sind Auszüge seines Abenteuers.
Frachtschiffreisen
Von Shanghai nach Jamaika
Woche 1
09. Februar: Um 14.40 Uhr ist mein Flug nach Shanghai gestartet. Ich bin sehr gespannt, denke ich an die fünf Wochen auf hoher See, die nun vor mir liegen. Was wird mich erwarten? Nach fast 12 Stunden bin ich endlich in der 19-Millionen-Megametropole gelandet und werde sie in den nächsten Tagen zu Fuß erkunden.
14. Februar: Bin im Containerhafen in Shanghai an Bord der MS „Patmos“ gegangen und habe meine Eignerkabine bezogen, die auf dem dritten Außendeck liegt. Sie ist vollklimatisiert und hat einen separaten Wohn- und Schlafraum – alles sehr geräumig und komfortabel. Bin aber schnell wieder zurück an Deck, um das Be- und Entladen der MS „Patmos“ hautnah mitzuerleben. Dann ging es los zur ersten Etappe: Wir sind nach Ningbo ausgelaufen. Habe den Abend mit den Offizieren auf der Brücke verbracht.
15. Februar: Erstaunlich gut geschlafen. Nach dem Frühstück einen ersten Rundgang gemacht. An Bord gibt es mehr Einrichtungen, als ich dachte: Aufenthaltsraum, Bibliothek, Videothek, Sportraum, Badepool und Liegestühle, sogar eine Bordsauna gibt es auf der Patmos! Abends im Hafen von Ningbo eingelaufen.
Peter Bretzger ist als Investor an vielen Schiffen der HAMBURGISCHEN SEEHANDLUNG beteiligt.
16. Februar: Nach Qingdao abgelegt und pünktlich zum chinesischen Neujahresfest angekommen. Habe mit fliegenden Händlern Geld gegen Ware getauscht. Das Feuerwerk war imposant.
Woche 2
18. Februar: In Fahrtrichtung Japan ausgelaufen und durch den Ostkanal, eine hunderte Kilometer breite Passage zwischen Korea und Japan, gefahren.
19. Februar: Nagasaki passiert. Einen Tag später sind wir in Tokio eingelaufen und tags darauf zwischen der Hauptinsel Honshu und Hokkaido hindurchgefahren, Richtung amerikanische Westküste. Was ich erlebe, ist so eindrucksvoll, dass ich es kaum in Worte fassen kann. An manchem Abend sieht es so aus, als ob die glutrote Sonne am Horizont ein Bad nimmt, um dann gemächlich ins Wasser unterzutauchen. Das Meer zeigt sich in meinen Wochen an Bord in all seinen Facetten – von glasklarer stiller See bis zu hohem Wellengang, grau in grau, so dass sich Himmel und Ozean kaum noch voneinander trennen lassen. Dazu eine ganz reine, unverbrauchte Luft.
Woche 3
13. Februar: Kurs auf die Aleuten genommen, eine Kette von 70 Inseln, die sich in einem Bogen zwischen Alaska und Kamtschatka erstrecken. Einem heftigen Sturm davongefahren.
Unser Kapitän nimmt Schutz nördlich der Aleuten und erreicht die Inselgruppe, die Beringmeer und Pazifischen Ozean trennt, zwei Tage später als geplant. Auf unserem Weg dahin passieren wir die Datumsgrenze, so dass ich das erste Mal in meinem Leben zweimal Sonntag habe! Das Wetter: Strahlendblauer Himmel bei Eiseskälte – Alaska ist nicht mehr weit. Haben uns mit Glühwein am Pool gewärmt.
In den Folgetagen: Unimak-Passage genommen und weiter auf die amerikanische Westküste zugesteuert. Bei Seattle nach Südosten abgebogen, San Francisco, Los Angeles und San Diego passiert.
Die Reise auf der MS „Patmos“ war ein Abenteuer, das ich nicht missen möchte. Wir haben den Pazifischen Ozean durchquert, sind durch Flussmündungen gefahren und haben uns in Millimeterarbeit durch die Schleusen des Panama-Kanals gezwängt. Zwischen Schiff und Mauerwerk blieb gerade mal eine Handbreit Platz.
Woche 4
04. März: Sind an der mexikanischen Küste entlanggefahren. Sonntag ist auf dem Containerschiff immer Barbecue angesagt, wenn es das Wetter zulässt und keine Arbeiten an Bord entgegenstehen. Haben ein Spanferkel am Spieß gebraten und genüsslich in der Abendsonne gegessen. Dazu gab es Bier. Generell ist das Essen an Bord reichhaltig und sehr gut.
06. März: Acapulco passiert, die sommerlichen Temperaturen von 30 Grad genossen – und gleich das erste Mal in den Swimmingpool gesprungen. Nachts faszinieren mich die zum Greifen nahen Sterne.
Woche 5
07. März: Auf Höhe Guatemala ein ausgedehntes Sonnenbad genommen. El Salvador, Honduras und Nicaragua passiert, tags darauf Costa Rica zugewunken und am 09. März den Staat Panama erreicht, dazu herrschten tropische Temperaturen von 38 Grad.
10. März: In Balboa den imposanten Eingang des Panama-Kanals bewundert. Dort haben wir geankert und bis 12. März früh auf die Kanal- Passage gewartet.
Für das leibliche Wohl war an Bord bestens gesorgt – sonntags mit Barbecue. Unser Kapitän mit Schirmmütze, rechts von ihm der zweite Offizier, den Spieß dreht der Elektriker.
13. März: In Colon an der Ostküste Panamas angelegt und zur Abwechslung auch einmal wieder festen Boden betreten: Habe einen Stadtbummel mit der Crew, Seeleuten der Inselgruppe Tuvalu, unternommen. Am Abend haben wir wieder Richtung Jamaika abgelegt.
15. März: Morgens in Kingston, Jamaika, eingelaufen und endgültig von Bord gegangen. Das Abenteuer war aber noch nicht zu Ende: Im Laufschritt zum Taxi gerannt, um meinen ersten Etappenflug von Montego Bay nach New York noch rechtzeitig zu erreichen, quer durch die Insel gefahren und das Terminal 15 Minuten vor Schalterschluss erreicht – noch ein letzter Adrenalinstoß nach fünf Wochen Abenteuerreise. Am 16. März in Frankfurt gelandet, mit unvergesslichen Erlebnissen an Bord der Patmos.